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Lissy - das sechsbeinige WunderKalb aus dem Rottal |



10. Oktober 2007: Völlig problemlos und ohne fremde Hilfe hatte Mutterkuh „Lausi“ auf dem "Suttner-Bauernhof" ihr Kalb geboren. Das Kälbchen steht ganz normal auf vier Beinen. Nur hinten hängen noch zwei weitere nicht vollständig ausgebildete Beine dran. Das Kalb ist aber gesund!



Das zusätzliche Paar Beine dürfte von einem abgestorbenen Zwillings-Embryo stammen oder von einem genetischen Defekt während des Embryonalstadium. Das vermutet jedenfalls der behandelnde Tierarzt Dr. Sandner. Nach Angaben der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität sind solche Missbildungen extrem selten. Eine Operation ist für Dr. Sandner kein Thema. "Das Risiko ist zu groß, dass das Tier den Eingriff nicht überlebt." Zwar geht es Lissy zu diesem Zeitpunkt sehr gut, man muss aber erst abwarten, wie sich das Kalb entwickelt. Der Pfarrkirchener Amtstierarzt Philipp Plendl sagt, die meisten missgebildeten Kälber kämen tot zur Welt oder verendeten kurze Zeit später. Daher sei dieses Kalb "schon ein Kuriosum oder kleines Wunder". Katrin Grimmer vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit sagt, ein sechsbeiniges Kalb gebe es vielleicht alle zehn Jahre einmal.



Lissy bleibt hoffentlich gesund und läßt sich auch weiter gern streicheln, wie das Bild mit der kleinen Franziska Suttner zeigt. Außerdem: welches Kalb kann von sich schon behaupten, mit Tanja Hugger und Wolfgang Leikermoser gleich zwei prominente Paten von Antenne Bayern zu haben?!

17. Oktober 2007: Lissy ist heute ein großes Thema in ganz Deutschland. Erstmals erfährt die Öffentlichkeit von ihr und alle Medien greifen das Thema auf. Antenne Bayern sendet von 5 bis 9 Uhr "live" aus Hebertsfelden, am Nachmittag kommen alle TV-Sender von ZDF, BR bis Sat1 und RTL um von Lissy die besten Aufnahmen zu filmen. Lissy ist mittlerweile eine Woche alt und ihr geht es bestens, wie auch die behandelnden Tierärzte immer wieder betonen. Wolfgang Leikermoser von Antenne Bayern erklärt Lissy zum Wunderkalb aus Niederbayern.

18. Oktober 2007: Lissy ging es heute Morgen bestens. Sie säuft ihre zwei Liter Milch und weiß gar nicht, dass deutschlandweit über sie in allen Tageszeitungen mit Foto berichtet wird. Auch die überregionalen Tageszeitungen wie BILD, Abendzeitung, Süddeutsche und TZ berichten über das Kälbchen aus dem Rottal. Die Stalltüren bleiben ab sofort wieder geschlossen, denn Lissy braucht als kleines Kalb natürlich ihre Ruhe.

21. Oktober 2007: Schöne Grüße von Lissy! Ihr geht es blendend! Wie auf den obigen Fotos unschwer zu erkennen ist, trat vorübergehend Blut aus den zusätzlichen Beinchen aus. Der behandelnde Tierarzt vermutete eine Gewebeschwäche in diesem Bereich. Doch das gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. Lissy entwickelt sich wie ein normales Kalb und wächst! Der Medienrummel klingt langsam ab. Immerhin spielte gestern Abend der Radiosender Bayern 1 "... dem Wunderkalb aus Hebertsfelden zu Ehren..." eine Polka der Rottaler Musi in der Volksmusikstunde. Für die kommende Woche hat sich ein Redaktionsteam des Senders VOX angekündigt, die eine längere Reportage über Lissy planen.

31. Januar 2008: Lissy geht es blendend, sie wächst und gedeiht. Und schon bald wird es für das Wunderkalb ein Happy End geben. Gut Aiderbichl will Lissy zu sich holen. Die Uniklinik Wien wird Lissy operieren. Rechtliche Fragen sind bis dahin noch zu klären, schließlich redet die Bürokratie bei einem Umzug ins Ausland ein kräftiges Wort mit. Wichtig ist, dass Lissy weiterhin wächst, damit es für die Operation Kräfte sammeln kann und alles gut überstehen wird!

14. Februar 2008: Jetzt steht es fest - Lissy wird schon bald nach Österreich umziehen! Ab heute steht Lissy deshalb unter Quarantäne. Es ist dies eine Forderung des Veterinäramtes in Pfarrkirchen. In diesen 30 Tagen wird Lissy eine Vielzahl an Untersuchungen über sich ergehen lassen, die der behandelnde Tierarzt Dr. Sandner durchführen wird. Derweil laufen die Vorbereitungen in Wien, wo Lissy operiert werden wird. Anschließend soll Lissy bis an ihr natürliches Lebensende auf Gut Aiderbichl wohnen und leben!

18. März 2008: Heute sind die Ergebnisse der Blutuntersuchung mitgeteilt worden! Lissy geht es blendend, sie ist gesund. Lissy muss jetzt binnen 8 Tagen Deutschland in Richtung Österreich verlassen, damit die Untersuchungen aktuell bleiben und vom Veterinäramt anerkannt werden.

25. März 2008: Happy End für Lissy? Heute geht es jedenfalls auf die große Reise. Der Transporter von Gut Aiderbichl holt Lissy um 8 Uhr früh ab und die große Fahrt in die Veterinärmedizinische Universität Wien beginnt ...



31. März 2008: Lissy wurde heute in Wien operiert, die fast dreistündige OP verlief erfolgreich. Das obige Bild zeigt Dr. Reinhild Krametter-Frötscher, Chirurgin an der Klinkik für Wiederkäuer der Veterinärmedizinischen Universität Wien, bei einer Untersuchung. Auf dem Bild unten ist Lissy kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose nach der erfolgten Operation zu sehen. Die Wunden werden bald alle verheilt sein. (Quelle: www.Gut-Aiderbichl.com)



Lissy bleibt weiter deutschland- und österreichweit in den Medien: die Süddeutsche Zeitung schreibt von "Bayerns glücklichstem Rind", die TZ von "Bayern beliebtestem Kalb" und die Bild schreibt gar von einer "Schönheitsoperation". Mitte April wird Lissy nun ihr neues Heim auf Gut Aiderbichl beziehen und dort bis an ihr natürliches Lebensende glücklich leben können. Lissys Rettung, sagt Aiderbichl-Chef Michael Aufhauser in der Süddeutschen Zeitung, habe für ihn auch einen großen symbolischen Wert. Das Schicksal des Kalbs könne helfen, Besucher anzuregen, über ihren Umgang mit Tieren nachzudenken. Lissy hatte viel Glück in ihrem bisherigen Leben. Normalerweise sind behinderte Nutztiere dem Tod geweiht. Doch für die Familie Suttner war Lissy vom ersten Tag an etwas ganz besonderes. Ein großer Dank gilt in diesem Zusammenhang auch Antenne Bayern und ihrer Bayernreporterin Tanja Hugger. Ihre Berichterstattung machte Lissy "über Nacht" zum "Wunderkalb" und damit den Weg frei zum HappyEnd. Der größte Dank gilt Gut Aiderbichl mit Michael Aufhauser und seinem Team, die auf Lissy in Zukunft aufpassen werden und die OP in Wien möglich gemacht haben.

30. April 2008: Lissy ist zurück in Bayern! Das Rottaler Kälbchen, das durch seine seltene Missbildung mit 6 Beinen für viel Aufsehen gesorgt hat, wird aufs Gut Aiderbichl bei Deggendorf gebracht. Dort wird Lissy lebenslang Kost und Logis erhalten. "Lissy wird den Rest ihres Lebens unter unserem Schutz stehen", so Aiderbichl-Chef Michael Aufhauser. "Wir zeigen, dass eine Behinderung auch bei Tieren einem lebenswerten Leben nicht im Wege steht", fügt er an. Ursprünglich war geplant, das Kälbchen dauerhaft auf dem Salzburger Aiderbichl-Hof unterzubringen, nun haben sich die Betreiber anders entschieden. Außerdem habe Lissy in der Kälberherde des bayerischen Gutes Aiderbichl geeignetere Spielkameraden als in Österreich, meint Aufhauser. In Eichberg ist auch so manche Filmkamera auf Lissy gerichtet. Zeitgleich finden Dreharbeiten zur TV-Sendung "Gut Aiderbichl - Das Goldene Herz für Tiere" statt. Sendetermine: 31. Mai um 21.20 Uhr in ORF 2 sowie 27. Juni um 19.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

Dass es zur Berichterstattung auch Kritiker bzw sog. "Ewig-Gestrige" gab, die von "Mißgeburt" oder "unwertem Leben" im Zusammenhang mit Lissy sprachen, macht alle Tierschützer traurig. Doch dieser kleine Personenkreis disqualifiziert sich dadurch doch selbst. Michael Aufhauser: "Wie wir mit Tieren umgehen, gehen wir im Notfall auch mit Menschen um. Im verständnisvollen Umgang mit den Tieren lernen wir, mit Schwächeren umzugehen. Am Umgang mit den Tieren kann man den Zustand einer Gesellschaft erkennen. Ob sie noch über Werte wie Toleranz, Verantwortung und Nächstenliebe verfügt. Außerdem ist recht verstandener Tierschutz immer auch Menschenschutz."
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